Zurück zur Übersicht | Version zum Ausdrucken

 

Das geistige Zentrum Lhasa

  • Das Rotmuetzen Kloster Tsurphu
  • taeglich Brot der Moenche
  • Potala - das Wahrzeichen
  • Jokhang - Hauptheiligtum Tibets
  • Gelbmuetzen in Drepung und Sera
  • vom 17.09. bis 20.09.

Kilometer: 6584

China (endlich) den Ruecken gekehrt geglaubt zu haben, sind wir bitter darueber enttaeuscht, was wir hier in Tibet mit seiner gleichermassen einzigartigen und tragischen Geschichte antreffen.

Einige Beispiele:

Jeder Tibeter ohne chinesische Flagge auf seiner Huette macht sich zwangslaeufig des Separatismus verdaechtig, die Folge ist ein Meer von chinesischen Flaggen ueber jeder kleinsten Siedlung.

Die radikale Ansiedlungspolitik von Chinesen in Lhasa hat die Stadtbevoelkerung von 20.000 Einwohnern in den 80er Jahren auf ueber 400.000 Einwohner sprunghaft ansteigen lassen. Die Folge ist eine ueberwiegend haesslich chinesische Retortenstadt.

Der Massentourismus an Busladungen mit Chinesen uebersteigt die Zahl auslaendischer Individualreisender um den Faktor 5. Die Fertigstellung der Zugverbindung Golmud - Lhasa im Oktober wird ein Uebriges dazu beitragen.

Dazu auch:
"Tibet-Bahn: Ansturm aufs Dach der Welt" aus spiegel online vom 18.10.05 (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,380154,00.html)

Von Andreas Lorenz

Die letzten Gleise der höchsten Bahnstrecke der Welt sind verlegt, China feiert sein Mammutprojekt in Tibet als nie dagewesenen Triumph des Eisenbahnbaus. Doch die Tibeter fürchten durch den erleichterten Zugang in ihre Region eine weitergehende massive Bedrohung ihrer Kultur.

Wer vom mächtigen Potala-Palast auf das Tal schaut, kann in der Ferne eine weiße Brücke über den Lhasa-Fluss erkennen. Über sie werden schon bald Züge zum Bahnhof rollen, der in diesen Tagen am anderen Ufer entsteht. Um ihn herum wächst ein völlig neuer Bezirk der tibetischen Hauptstadt aus dem Boden.

Mit dem Zug auf das Dach der Welt - schon Mao Zedong hat davon geträumt. Lange war den chinesischen Ingenieuren das Projekt jedoch zu teuer und technisch zu kompliziert. Jetzt wird es Wirklichkeit. Bauarbeiter haben die letzten Gleise der höchsten Eisenbahn der Welt gelegt.

Nun folgt die Testphase: In den kommenden zwölf Monaten müssen die Streckenabschnitte getestet werden. Zudem wollen Chinas Eisenbahner ausprobieren, wie die Dieselmotoren der Lokomotiven (Marke "Ostwind") in der dünnen Luft arbeiten. Der reguläre Betrieb soll ab 1. Juli 2007 zwischen Lhasa und dem 1142 Kilometer entfernten Stadt Golmud in der Provinz Qinghai und dem übrigen China beginnen.

Ein monumentales Unternehmen, so wie es Pekings KP liebt. 35.000 Arbeiter haben in den letzten vier Jahren unter harschen Bedingungen die Gleise verlegt, 33,09 Milliarden Yuan (rund 3,46 Milliarden Euro) kostet das Projekt - mehr als zehn Milliarden Yuan mehr als ursprünglich geplant und mehr als Peking in den letzten 50 Jahren für Krankenhäuser und Schulen in Tibet ausgegeben hat.
Riskant für Arbeiter und Passagiere

Noch nie wurde eine Eisenbahn in so großer Höhe auf so schwierigem Terrain gebaut. Fast die gesamte Route liegt über 4000 Meter hoch, an einem Punkt erreichen die Gleise sogar 5072 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Bahnhof - einer von 29 - wird in der Ortschaft Nagqu auf 4500 Metern errichtet. Auf knapp der Hälfte der Strecke herrscht Permafrost: Der Untergrund ist ständig gefroren, im Sommer allerdings taut er an der Oberfläche auf - die Gleise könnten ins Schwimmen geraten.

Nicht nur für die Arbeiter war das Unterfangen wegen des geringen Sauerstoffs gefährlich, auch für die Passagiere könnte es riskant werden. Die Waggons der kanadischen Firma Bombardier werden deshalb wie ein Flugzeug abgedichtet, um die Fahrgäste vor der gefährlichen Höhenkrankheit zu schützen. Zudem sollen in jedem der täglich acht Züge Mediziner mitreisen.

"Ein noch nie dagewesener Triumph des Eisenbahnbaus", jubelte Staats- und Parteichef Hu Jintao, als vor wenigen Tagen die letzte Schwelle gelegt wurde. Für Peking ist das Unternehmen ein neuer Beweis, dass es nur das Beste für Tibet im Sinn hat, das Maos Truppen 1951 besetzten.

Viele Tibeter dagegen hegen schwere Bedenken: Wenn erst einmal die Züge fahren, werde Peking die Region in einen noch festeren Griff nehmen. Die Furcht: Die Eisenbahn werde immer mehr Chinesen auf das Dach der Welt schaffen und damit die Tibeter weiter an den Rand drängen. Buddhistische Religion und tibetische Kultur gerieten noch stärker in Gefahr, das Risiko ethnischer Spannungen wachse.

Bahn verbessert Logistik der Armee

Schon jetzt versuchen viele Chinesen aus anderen Landesteilen auf dem Himalaja ihr Glück. In Lhasa und anderen Städten eröffnen sie kleine Geschäfte, andere arbeiten auf dem Bau. Mit den Zuwanderern kamen Prostituierte, die sich in Hunderten von "Friseursalons" anbieten. Tibets Behörden weigern sich, konkrete Zahlen über die Migration zu veröffentlichen.

Peking kann mit der Eisenbahn im Notfall schnell Truppen nach Lhasa transportieren. Sie verbessere die Logistik der Armee, ermögliche den Bau von mehr Kasernen sowie die Lagerung von Nuklearwaffen, Flugzeugen und Raketen, warnt die in London ansässige Menschenrechtsorganisation "Free Tibet Campaign". Dies stelle auch eine Bedrohung Indiens dar und könne die Region destabilisieren.

Bislang ist Tibet nur über drei schwierige Straßen mit der Außenwelt verbunden, Lastwagen versorgen die 2,5 Millionen Einwohner der Autonomen Region. Nun können Tibets Bodenschätze, vor allem Mineralien, kostengünstiger abgebaut und ins Landesinnere geschafft werden. "Das wird das Einkommen der Tibeter steigern", verspricht ein chinesischer Funktionär: "Mit der Bahn kommt der Fortschritt nach Tibet. Sie wird Kapital, Projekte und Menschen bringen."

Schon planen die Chinesen, die Strecke von Lhasa aus zu verlängern: Bis 2017 sollen zwei Strecken hinzukommen; nach Linzhi im Osten und die zweitgrößte Stadt Tibets, Xigatse.

Quellenende



Nachdem das geistige Oberhaupt Tibets - seinen Namen lassen wir unerwaehnt, da Kontrollprogramme auf den Rechnern hier darauf anspringen - 1992 im indischen Exil den Nobelpreis erhalten hat, wurden tausende jubelnde, sich Hoffnung machende Moenche und Lamas in Lhasa und Umgebung dafuer mit dem Tod bestraft. Die Zahl der toten Moenche und Lamas wird auf bis zu 20.000 beziffert.
Portraits dieses Lamas sind hier strengstens verboten.

Frauen wie Maenner muessen ueberall in China bei Erreichen der Volljaehrigkeit fuer 2 Wochen zum Militaerdienst, Gehirnwaesche nicht ausgeschlossen...
Vor einigen Wochen sind wir unbewusst nicht unweit an "Highland Atomic City" (Provinz Qinghai) vorbei gekommen, ueber das uns chinesische Reisefuehrer wie folgt aufklaeren:
"In 1950s, it was established as the first research and production base for nuclear weapons in China. The first nuclear weapon of China was successful to develop, assemble and install within the mysterious forbidden zone of 1.700 km. Now it is unveiled to the world and has become a marvellous and peculiar spectacle."

Auch das individuelle Schicksal unseres neuen Guide hat uns beruehrt: ihm ist es nicht moeglich gewesen Moench und womoeglich spaeter Lama zu werden, obwohl dies ausdruecklich sein Wunsch gewesen ist. Seine Grosseltern kamen auf grausame Weise ums Leben, weil sie einem weiterem Oberhaupt, dem Panchen Lama, beratend zur Seite standen.
Da er sich trotzdem intensiv mit dem Buddhismus beschaeftigt, ist er in der Lage, auf noch so naive Fragen, eine sehr umfassende und detaillierte Antwort zu geben. Seine Kinder schickt er in China zur Schule, fuer die er ein Vermoegen an Schulgeld zahlen muss - Chinesen muessen dieses nicht entrichten. Nur die wenigsten Tibeter gehen ueberhaupt zur Schule. Die meisten sind weder in der Lage zu Schreiben noch zu Lesen.

Die Liste liesse sich fortsetzen, wir wollen es aber dabei belassen.

Fazit: China ist ein diktatorisches Regime, indem Menschen wie Bausteine verschoben werden, die Berufswahl eingeschraenkt wird und unserer Meinung nach "kultureller Genozid" betrieben wird.

Das tibetische CITS Buero (China International Travel Service) ist nach unseren Beschwerden ueber den ersten tibetischen Guide sehr um "Wiedergutmachung" bemueht, sodass wir zu unserer Ueberraschung eine permission fuer das abgelegene Kloster Tsurphu erhalten. In Tibet braucht man fuer jede Tour eine Sondergenehmigung. Wir krempeln unseren Plan erneut um, und freuen uns ueber einen kombinierten Radel- und Kulturtag.
Nach einigen Radelkilometern und fast einem Hoehenkilomter Gefaelle am Morgen, wechseln wir den Untersatz und der Jeep bringt uns in einer einstuendigen Schaukelfahrt zum Kloster.
In Tsurphu haben wir zum ersten Mal Einblick in eine richtige Klosteranlage, die einstmals von ueber tausend Moenchen bewohnt wurde. Heute leben hier, die Zahl wird streng reglementiert, nur noch rund 300 Moenche.
Tsurphu ist das groesste und bedeutendste der Rotmuetzen Kloester. Das jetzige Oberhaupt dieser Stroemung, die Siebzehnte Reinkarnation des Karmapa, lebt als 21-Jaehriger Lama ebenfalls im indischen Exil. Die Suche nach einer Reinkarnation wird von einem Konzil vorgenommen, die, wie in diesem Falle, 11 Jahre gedauert hat.

Die in der Ausbildung befindlichen Moenche machen einen sehr ausgeglichenen und lockeren Eindruck, sind gut ausgebildet und sehr freundlich. Sie sind im Prinzip vollkommen autark und organisieren sich wie innerhalb eines Zwergstaates.

In und um das Kloster herum gibt es sehr viel zu entdecken: verstaubte Gassen, Kartoffel-schaelende herumalbernde Moenche, Kartenspieler am nahegelegenen Fluss... - Kleinigkeiten fernab des Tourismus, die uns erheitern.

Die letzten Kilometer in Richtung Lhasa geniessen wir in vollen Zuegen.
Auch wenn sich das Stadtbild Lhasas in den letzten Jahren massiv veraendert hat, so berichten uns mitreissende Mitreisende, gibt es immernoch einige intakte Oasen mit alter Bausubstanz.

Wir lernen eine Gruppe norwegischer Architekturstudenten kennen, die hier in monatelanger filigraner Arbeit die alte tibetische Baukunst wieder aufarbeiten, Pionierarbeit. Obwohl Lhasa Universitaetsstadt ist, wird dieses Wissen nicht vermittelt.

Die Potala, der Winterpalast des geistigen Oberhaupts und Wahrzeichen Lhasas, erblicken wir das erste Mal bei Dunkelheit auf dem Weg zu einer Bar, ein imposanter Anblick. Die Potala (Haus der Goetter) teilt sich in den Roten und Weissen Palast auf und erfuellte in ihrer langen Geschichte verschiedenste Funktionen: Regierungssitz, Kloster, Festung und Residenz der meisten D. Lamas., die Oberhaupt sowohl Tibets als auch der einflussreiche Gelbmuetzen Sekte waren.
Angesichts der 15.000 Saeulen, die ueber 750 Hallen tragen und die Golddaecher die Stadt um 120 m ueberragen, machen die Privatgemaecher des D. Lamas, in denen er auch politische Gaeste empfing, einen sehr bescheidenen Eindruck.
Leider koennen wir Bilder dieses unter UNESCO-Schutz stehenden Bauwerks nicht online stellen, werden dies aber spaetestens in Deutschland nachholen. (Auf dem siebten Bild ist sie zu erkennen)

Das Hauptheiligtum Tibets und pulsierendes Zentrum des tibetischen Buddhismus ist jedoch der Jokhang Tempel, gerademal einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt.
Uns befremdet ein wenig, mit welcher Inbrunst hier nach Jahren der Wanderung manch Pilger hunderte, vielleicht tausende Male auf die Knie und schliesslich auf den Boden wirft. Sie ehren Jo-Bo-Buddha.

Auch in den Gelbmuetzen Kloestern Drepung und Sera begegnen wir praktizierenden Buddhisten und treffen auch auf Moenche, die in einer grossen Halle Gebetsrituale abhalten. Wir treffen sie spaeter auf der Terasse wieder. Die Brustbehaarung von Kons wird zunaechst bestaunt, schliesslich faellt eine Hundertschaft von Moenchen in Gelaechter aus, sehr ansteckend.

Bettelnde Kinder saeumen die steilen Anstiege zu den Kloestern; auch kleine Gebetsmuehlen und -Ketten werden bemueht, um unserem Portemonai einige Yuan zu entlocken. Wir geben ihnen Schokolade.
Unverstaendnis ruft ein Ferrari-Konvoi am Parkplatz des Klosters hervor: die neuesten Karossen der italienischen Nobelmarke werden hier von Chinesen und Italienern "ausgefahren" und stossen unweigerlich auf eine voellig kontraere Welt.

Pascal und Andreas - zwei Radler aus der Schweiz - sind ebenfalls in unserer Unterkunft untergebracht und akklimatisieren sich mit kurzen Ausritten in der Umgebung. Mit ihnen verabreden wir uns in Shigatse, der naechstengelegenen Stadt auf dem "Friendship-Highway" in Richtung Kathmandu.
Unser neue Guide wirft sein ganzes "Koennen" in die Wagschale, und begegnet uns am naechsten Morgen mit einem Grinsen und der Genehmigung fuer einen Ausritt zum Mount-Everest Basecamp in der Hand. Den naechsten gemeinsamen Fahrtagen mit den extrem gut ausgeruesteten Schweizern (zwei Begleitfahrzeuge, ein Koch...) steht nun nichts mehr im Wege.

In keinem anderen Land sind uns die Menschen bisher freundlicher und offener begegnet.

Uns erschleicht das Gefuehl, dass die Tibeter viel Hoffnung in auslaendische Touristen setzen, um ihnen aus ihrer ausweglosen, verzweifelten Lage zu helfen.


Email an Himalayacross schicken

Zurück zur Übersicht | Version zum Ausdrucken

 
 


© Himalayacross 2005 IMPRESSUM