- Hoechstgelegener See der Welt (4718m)
- Yaks und tibetische Nomaden
- Yangbajing - heisse Quellen
- vom 13.09. bis 16.09.
Kilometer: 6400
Tibet hat viele Gesichter, allerdings vermissen wir eins: dass des foreigners. Auf den fast 4000 Kilometern seit Peking haben wir zu unserer Ueberraschung nur sehr wenige "Langnasen" angetroffen, wir koennen sie an zwei Haenden abzaehlen. Dem naechsten werden wir um den Hals fallen, soviel ist Gewiss. Ein Gefuehl, mit dem wir auf dieser Reise nun wirklich nicht gerechnet haetten, wollten wir doch unserer westlichen Zivilisation so gut es geht den Ruecken kehren.
Diesen Sinneswandel sehen wir jedoch nicht darin begruendet, dass wir uns zu lange in wenig zivilisierten bis gar menschenleeren Regionen aufgehalten haben. Vielmehr ist es die so extrem unterschiedliche Lebens- und Verhaltensweise der Han-Chinesen, die nach intensiver Siedlungspolitik auch in Tibet einzugehalten hat und uns in auch noch so kleinen Doerfern staendig begleitet.
Manche Ruhetage werden so ihrem Namen nicht gerecht, insbesondere dann, wenn wir zum Schreiben von Berichten und e-Mails ein Internet Cafe aufsuchen muessen, unseren Draht zur Aussenwelt.
Wie schon in einem vorherigen Bericht erwaehnt, sind die Wang Ba's (Internet Cafes) in China eigentlich verboten. Da jedoch das Interesse an Ballerspielen, westlichen Action Movies made in Hollywood und moderner Kommunikation via Chat Rooms nicht mehr zu bremsen ist, werden die Spielhoellen von der Regierung tolleriert, nicht jedoch ohne zumindest ein wenig lehrreichen Einfluss ausueben zu wollen.
So ist es nicht verwunderlich, dass die chinesische Regierung amerikanische Software-Hersteller mit der Produktion eines Ballerspieles beauftragt hat, in dem es darum geht, moeglichst viele Japaner zur Strecke zu bringen.
Umgeben von kettenrauchenden Chinesen und dauerhaftem Maschinengewehrgeratter faellt es dementsprechend schwer, die Eindruecke und Bilder der vergangenen Tage zu verarbeiten, waren diese doch weit weg und von einer tibetischen Bevoelkerung gepraegt, die in den Staedten gerade einmal noch Minderheitsrecht behalten hat.
Soeben, nicht ohne Vorankuendigung, wird nur zwei Stuehle neben mir auf den Boden gespuckt, eine Stelle, auf die nur ein paar Minuten spaeter ein Kopfhoerer faellt, der anschliessend von neuer Kundschaft zum Spielen genutzt wird.
Je anstrengender die Aufenthalte in den Ortschaften, desto erholsamer ist die Zeit in der Natur. Anders als von Deutschland aus geplant, folgen wir dabei nicht unserer Reiseroute mit kilometergenauer Streckenfuehrung, da sogar ganze Ortschaften dem uns in der ART begleitenden Guide nicht bekannt sind. Weiterhin wissen wir nie so richtig, wann und wo wir uns gerade befinden; dass sich 10km auf eine Distanz von 40km strecken, kann auch schon einmal vorkommen.
Bedingt durch die schlechte Vorbereitung des Guides, bekommen wir jedoch die Moeglichkeit selbst Einfluss auf die Streckenfuerung zu nehmen und so die Reisegeschwindigkeit nach unserem Gusto anzupassen.
Leider scheint auch das Wissen ueber die tibetische Kultur unseres Guides nur begrenzt zu sein, was uns schliesslich dazu veranlasst den Guide in Lhasa zu wechseln.
Zuvor jedoch, ausgehend von Damshung, sind wir uebergluecklich die Sondergenehmigung zum Besuch des ca. 70 km entfernten Nam Tsu-Sees erhalten zu haben. Wir geniessen jeden Augenblick unseres kurzen Abstechers gen Norden, wo uns nach Passieren eines bereits mit Schnee bedeckten Passes unzaehlige Nomadenzelte auf einer weiten Flaeche am Ufer des Sees freundlich begruessen.
Der Nam Tsu-See, da sind sich die unterschiedlichen Reisefuehrer einig, ist mit 4718m der hoechste See der Welt. Es ist jedoch nicht nur dieser vielleicht recht reisserische erscheinende Umstand der den See so interessant macht. Auf einer Halbinsel inmitten des Sees, der uebrigens von November bis Mai gefroren ist, wurde in Hoehlen schon vor langer Zeit der Buddhismus von Moenchen praktiziert.
Natuerlich nutzen wir auch die Gelegenheit uns in einem tibetischen Nomadenzelt aus Yakfell umzusehen. Die Lebensverhaeltnisse der Familie sind sehr einfach, was den Frohsinn der Nomaden jedoch nicht zu beeintraechtigen scheint. Ueberhaupt faellt uns auf, dass die tibetische Bevoelkerung westlichen Touristen gegenueber sehr freundlich gesinnt ist.
Auf der Weiterfahrt von Damshung nach Yangbajing steht uns nur noch ein letzter Pass bevor, der mit 4590 m gleichzeitig auch hoechster Punkt vor einer ueber 100km langen Abfahrt nach Lhasa sein wird.
In Yanbajing uebernachten wir nahe den warmen Quellen, die auf einer Hoehe von ueber 4270m entspringen, und ein angegliedertes Freibad sowie ein Hallenbad mit angenehm warmen Wasser speisen.
Mit Blick auf die umliegenden Berge sinnen wir dem nun so nahen Lhasa entgegen.