- Tanggula Pass(5247 m) - das noerdliche Tor nach Tibet
- gemuetlich aber zielstrebig
- vom 08.09. bis 12.09.
Kilometer: 6230
Schoen, dass Ihr uns treu bleibt. Zur Belohnung klaeren wir Euch ueber die Blutegel auf: die sind naehmlich erstunken und erlogen.
Wahr ist: wir haben uns neben all der Milch und dem Honig tatsaechlich Saugnaepfe auf den Ruecken druecken lassen - eine durchblutungsfoerdernde Massage, deren Spuren nach nun bereits drei Wochen immernoch zu sehen sind.
Die Nase laeuft, und ein uns staendig begleitender Reizhusten neben Blicken auf den Hoehenmesser erinnern uns daran, dass wir uns dauerhaft ueber 4400 Metern Hoehe befinden.
Steile Anstiege, eine abwechslungsreiche Berglandschaft, alte Kloester am Wegesrand: Fehlanzeige. Wir fahren auf langgezogenen flach ansteigenden Strassen in einer wuestenaehnlichen Landschaft, die nur gelegendlich die Sicht auf weit entfernte Gipfel am Horizont frei gibt.
Anders als in jenen Regionen des suedlichen Himalayas, in denen von hohen Bergketten geschuetzte Taeler ein Leben auch im Winter ermoeglichen, steht hier dem kalten Wind nichts entgegen.
Erst mit dem Bau der Verbindungsstrasse Golmud-Lhasa, die jene Hochwueste quert, hat der Bedarf an Verpflegung, Unterkunft und Reparaturwerkstaetten der Fernfahrer einige Doerfer in regelmaessigen Abstaenden am Strassenrand entstehen lassen. Trotz eisiger Kaelte haelt auch im Winter die Aussicht auf ein gutes Geschaeft mit den Brummies die Menschen in den Siedlungen.
Wenig verwunderlich ist also, dass wir auf unserer Fahrt ueber die Hochebene keine nennenswerten buddhistische Kultstaetten passieren und auch sonst nur wenige Buddhisten, mit Ausnahme einiger weniger bemerkenswerter Pilger, die sich auf dem Weg nach Lhasa befinden, antreffen.
Stattdessen ist der Anteil der sehr handelstuechtigen muslimischen Siedler auffallend hoch. Aufgrund der unterschiedlichen Esskultur der Moslems, gibt es so immer eine muslimische Alternative zur chinesischen Kueche, die uns oft sehr willkommen ist.
Wie unterschiedlich jedoch die muslimische Kueche ist, erfahren wir nur wenige Meter entfernt von unserer Unterkunft in Tuotuohe, der Stadt an der Quelle des Yangtze, in einem kleinen Hinterhof, als drei an einer Regenrinne festgebundenen Hochlandschafen auf sehr grausame Art geschaechtet werden. Als bereits zwei Schafe ausgenommen und gehaeutet am Haken haengen, zuckt das dritte noch eine halbe Stunde, nachdem ihm die Kehle durchgeschnitten wurde.
Getreu dem Motto "gemuetlich aber zielstrebig", fahren wir mit ruhigem Tritt dem vorerst hoechsten Pass unserer Reise entgegen. Atemprobleme haben wir dabei gluecklicherweise nicht, sind wir doch ueber die vergangenen Tage auf der Hochebene ausreichend akklimatisiert.
Mit 5247m liegt der Tanggula Pass genau auf der Grenze zwischen der Region Quinghai und der Autonomen Region Tibet (ART), einen Grenz- oder Kontrollposten gibt es aber nicht.
Weit entfernt von jeder auch noch so kleinen Siedlung, verbringen wir also unsere erste Nacht in der ART nach erfolgreicher Passueberquerung in einer Bauarbeitersiedlung auf ueber 5000m. Geheizt wird hier, wie auch in weiten Teilen der ART, mit getrokneten Kuhpfladen, die einzige Alternative zu den sonst nicht vorhandenen organischen Energietraegern wie Kohle oder gar Holz.
Je weiter wir gen Sueden fahren, desto aehnlicher werden Trachten und Gewaender jenen der bolivianischen und peruanischen Hochlandbevoelkerung, so wie wir sie waehrend unserer vergangenen Reise in Suedamerika kennengelernt haben.
Weniger urspruenglich erleben wir auf der Fahrt nach Lhasa die Staedte Amdo und Nakqu, die sich nach intensiver Siedlungspolitik nur noch wenig von einer chinesischen Durchschnittsstadt unterscheiden, so wie man sie irgendwo ausserhalb der ART in Massen vorfinden kann.
Zumindest kann man sich hier mal die Haare, Barthaare inbegriffen, schneiden lassen, auch wenn die Erfahrungswerte mit Naturlocken bescheiden sind.
Das Resultat: Ein Stereotyp-Amerikaner und ein DJ Bobo…