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Adrenalin, Endorphine und sonstige Gluecksstoffe

  • Dulan
  • Wasserknappheit
  • never ending desert
  • 180 Grad Winddrehung
  • Whirlpool in Golmud
  • Den eigenen Akku aufladen
  • vom 26.08. bis 30.08.

Kilometer: 5376

Eine natuerliche Oase mit roten Graesern und weidenden Kamelen laedt uns zu einem laengeren Picknick ein.

Einige Paesse zwischen 3200 m und 3700 m stellen ideale Trainingsbedingungen fuer die bevorstehenden Hoehenmeter im Himalaya dar.
Sonst oft verwoehnt von einem sanften Rueckenwind, stellen wir uns nach einer 180 Grad Schleife dem Gegenwind.
Dem kurzen Kraftakt folgt ein wahres "Schmankerl": die Strasse dreht wieder auf West und so brausen wir mit Tempo zwischen 40 und 70 Stundenkilometern eine 60 km lange Abfahrt hinab. Die frontal vor uns liegende Sonne taucht die Landschaft in ein gleissendes, unwirkliches Licht, der Rueckenwind wirbelt gewaltig Staub auf. Kurzerhand die Kopfhoehrer aufgesetzt erzeugt dies einen Cocktail aus Endorphinen, Adrenalin und anderen Hormonen. Die Freude ist so gewaltig, dass eine Pause her muss, um nicht vollkommen aus der Kontrolle zu geraten.

Erst bei Dunkelheit erreichen wir Dulan, das einzige Staedtchen auf dem 800 km langen Weg zwischen Xining und Golmud. Beim zweiten Anlauf beziehen wir schliesslich ein Zimmer, das erste Hotel wollte uns nicht dort herin !campen! lassen. Waeren wir nicht so muede gewesen, waeren wir vor Weissglut fast in die Luft gegangen: Campen im Hotel?!?! Wie bitte kommt man zu der Annahme, dass sichtlich kaputte Radler im Hotel ausgerechnet CAMPEN wollen.

Wir benoetigen zur allgemeinen Belustigung einen Lippenstift fuer unsere durch die klare Bergluft aufgesprungenen Lippen. Aehnlich verhielt es sich schon einmal mit Deo, welches fuer die Herren der Schoepfung in China nicht existiert.
Wir machen unserem Ruhetag alle Ehre, schlendern ueber den Marktplatz und goennen uns am Abend einen Gaumenschmaus mit geduensteten Shrimps, eine nette Abwechslung zum Proteinshake.

Der naechste Tag ist zunaechst ungewohnt truebe und so kommen Ueberschuhe und Fleecewaesche zum Einsatz.
Unglaublich vertrottelt haben wir vergessen Wasser zu tanken und so machen wir einen Stich in ein abgelegenes Dorf.
Wie Baeren werden wir vom Berghonig am Wegesrand angelockt und so wanderd kurzerhand ein gutes Kilo in den Tiefen unserer Taschen.

Die Landschaft veraendert andauernd ihr Gesicht: eben noch auf Alleen in der Mark Brandenburg unterwegs geht es nun an Duenen bergan auf ein Wuestenhochplateau.
Am Hang eines Bergrueckens, auf den wir zum Sonnenuntergang hinauf steigen, finden wir in unwirtlicher Landschaft einen traumhaften Zeltplatz. Die in 10 km erwartete Einsiedlung Chatu taucht nicht auf, d.h. fuer uns 4 Liter fuer die naechsten 60 km. Wir kommen dank bester Bedingungen zuegig voran und es taucht schliesslich ein kleines Haeusschen auf, in dem wir Hitzeschutz finden und sensationell guenstig (zusammen 1 Euro) reichlich Nudeln und Ei essen.

Nach weiteren 50 km bei Rueckenwind pluendern wir die vorletzte Bastion vor dem 150 km entfernten Golmud: der kleinen Huettenbesitzerin ist die Freude nach 30 gekauften Flaschen sichtlich anzusehen. Gegen Abend rollen wir ohne weiteres Zutun mit durchschnittlichen 35 Stundenkilometern dem Sonnenuntergang entgegen - da wir straight west radeln, zoegern wir diesen immer weiter hinaus;-)

Unfassbar, wie der Wind ueber Nacht drehen kann. Schon in der Nacht fegte der Wind von der "falschen" Seite, was unserem Zelt trotz benutzter Sandherige zusetzte.
Dankbar ueber den Puffer, den wir uns am Vortag herausgefahren haben, machen wir es uns zunaechst im Zelt gemuetlich, in der Hoffnung, dass der Wind zumindest ein wenig abnehmen wird.
Schliesslich raffen wir uns doch auf und pressen uns gegen das himmlische Kind. Ein Platten am Anhaenger, den wir insgesamt 4 Mal erfolglos flicken, traegt nicht gerade zur Moral bei, das fehlende nicht eingeplante Mittagessen ebenso.

Uebergluecklich erreichen wir dann 75 km spaeter doch noch das triste Golmud. Da die Stadt so weit abgelegen ist, steigen hier die Preise wieder, ein merkwuerdiges Phaenomen.

Ein sehnlichst erwartetes Paeckchen mit Ersatzteilen aus Deutschland ist noch nicht wie erwartet eingetroffen.
Ebenso problematisch ist, dass das "Wie-komme-ich-an-Geld" Problem erneut auftaucht, und dass, obwohl hier an jedem Automaten mit dem Visa/Mastercard Logo geworben wird - just for show!

Die Sorgen vergehen in der Sauna und im Whirlpool im hoteleigenen BathCenter, einen Service, den wir uns nicht ertraeumt haetten.
Wir erwaermen uns mit Gedanken an die bevorstehenden Hoehenmeter ueber den Himalaya. Bis zum 02.09. werden wir hier unseren Akku aufladen, unseren Guide und den Fahrer unseres Begleitfahrzeugs kennen lernen.

Der Himalayacross waere ohne Permission und die damit verbundene Begleitung (legal) nicht moeglich gewesen.
Nun freuen wir uns auf den wohl spannendsten Teil unserer Reise, bei dem wir von unterwegs das Wasser aus dem Jeep gereicht bekommen;-)


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