- Xining
- Qinghai Hu (groesster See Chinas)
- Tibetische Pilger
- Caka Yan Hu (Salzsee)
- vom 21.08. bis 25.08.
Kilometer: 5018
Um Missverstaendnissen von Vornhinein aus dem Weg zu gehen und die political correctness zu bewahren, eine kurze Definition dessen, was mit "Historischem Tibet" gemeint ist:
Das historische Tibet bestand aus den drei Provinzen Ue-Tsang, Amdo und Kham. Nach der chinesischen Invasion bzw "Befreiung" von 1950 - je nach Perspektive - wurde Tibet aufgeteilt. Die heutige Autonome Region Tibet (ART) ist nicht einmal mehr halb so gross wie das historische Tibet vor 1950. Die restlichen Gebiete wurden den Provinzen Qinghai, Sichuan, Gansu und Yuenan zugeschlagen.
In Xining knuepfen wir ueber einen chinesischen Psychologie-Professor aus Finnland Kontakt zu Frau Ti Chen, die uns Xining von seiner besten Seite zu praesentieren weiss.
Die Hauptstadt der grossen Provinz Qinghai wurde uns im Reisefuehrer als graue Stadt mit leichtem Dreckueberzug an den Haeuserfassaden beschrieben.
Dass wir die Stadt ganz anders, hell, und freundlich erleben, erklaeren wir uns mit der rasanten Entwicklung der Stadt, die von einem unglaublichen Drang zum Aufschwung und Fortschritt getragen wird.
So viel des Lobes, sei hier jedoch auf ein Problem hingewiesen, das uns in China schon seit Beginn wie ein roter Faden in allen Lebenslagen begleitet, und das Reisen extrem erschwert.
***kein Verantwortungsbewusstsein, nicht fuer zehn Pfennige (Cent)***
Sicherlich durch das nachwievor machthabende kommunistische und diktatorische System gepraegt, versteht es die ueberwaelltigende Mehrheit der Bevoelkerung lediglich leichtere Arbeiten auf Order oder Befehl eines Vorgesetzten auszufuehren.
Je individueller oder komplexer ein Arbeitsgang ist, desto oefter muss telefoniert werden, um sich jeden einzelenen Arbeitschritt von vorgesetzter Stelle penibelst absegnen zu lassen.
Erschwerend kommt hinzu, dass in China bei Fehltritten immer nur derjenige zur Rechenschaft gezogen wird, der letztlich sein OK gegeben hat. Das fuehrt natuerlich unweigerlich dazu, dass niemand ein verbindliches OK geben moechte und nach endloser Telefoniererei meist kein wirklicher Fortschritt erzielt wird.
Unserer Meinung nach sind es Probleme wie diese, die China in seiner zukuenftigen Entwicklung stark bremsen werden.
Nicht in der naehren Zukunft, die von quantitativem Aufschwung bestimmt sein wird, aber in jener Zukunft, in der Qualitaet, komplexe Dienstleistungen und individuelle Problamloesungen zu einem anhaltenden Aufwaertstrend der volkswirtschaftlichen Entwicklung unabdingbar sein werden.
Auf dem Land und auf dem Sattel sind wir zum Glueck meist von Buerokratie und den damit verbundnen Unannehmichkeiten gefeit.
So koennen wir uns schon kurz nach Abfahrt aus Xining ueber Berge und die mit der Hoehe immer besser werdende Luft erfreuen.
Staendig ueberqueren wir nun kleine Gebirgsbaeche und unsere Blicke verlieren sich in der weiten Ferne.
Wir haben keine topographische Karte, lediglich einen chinesichen Strassenatlas, der uns aber nicht verraet, dass wir schon am ersten Fahrtag hinter Xining ueber 1200 Hoehenmeter klettern werden.
Belohnt werden wir auf dem 3450 Meter hohen Pass mit einem wunderschoenen Ausblick auf die umliegenden Berghuegel, gesaeumt von Nomaden-Zelten und grasenden Yaks.
Erst waehrend des zweiten Fahrtages erreichen wir den Quinghai Hu, jenen groessten See Chinas, von dem uns schon zuvor so viel Positives berichtet wurde.
So findet um den See das groesste chinesische Radrennen statt, dessen Teilnehmerfeld lustigerweise jedoch fast ausschliesslich aus westlichen Radprofis besteht.
Der See, dessen Suedufer uns ueber knapp 100 km begleitet, ist erstaunlich ruhig und zumindest in Ufernaehe angenehm warm, so dass er sich ausgezeichnet fuer ein kleines Bad eignet.
Mit Nomaden als Nachbarn, finden wir nur kurze Zeit spaeter auch einen Zeltplatz mit Seeblick.
Immerkehrend bewundern wir, wie sich tibetische Pilger, alle 4 bis 5 Meter auf den Boden werfend betend niederknien, und auf diese Weise einen unglaublich aufopfernden und beschwerlichen Weg wahrscheinlich bis nach Lhasa gehen.
Ruhiger Schlaf sowie das aus Xining mitgebrachte Sojamilchpulver sind die richtige Grundlage fuer den 3817 Meter hohen Pass, der uns vom Qunghai Hu wegfuehrt.
Gluecklich darueber, dass wir den seit Reisebeginn hoechsten Pass problemlos bezwingen konnten, lassen wir uns ohne viel Bremsen in das Tal hinunterrollen, an dessen Fusse uns ein weiterer, sehr viel kleinerer See erwartet.
Schon aus weiter Ferne koennen wir den CakaYan Hu (Salzsee) erkennen. Die klare Sicht auf weiter Distanz spielt uns hier einen Streich. Bis wir am See das Zelt aufschlagen koennen, muessen wir noch viele Streckenkilometer zuruecklegen, der Ausblick und ein sehr farbintensiver Sonnenuntergang entlohnen jedoch alles.
Erst nachdem das Zelt schon aufgebaut ist, stellen wir fest, dass es sich bei dem See um einen stark ausgetrockneten Salzsee handelt, auf dem wir am naechsten Morgen zum warm werden mit dem Fahrrad einige Runden drehen.