- The Camel is watchin' ya
- Hagel in der Wueste - keine Fatamorgana
- vom 28.06. bis 30.06.
Kilometer: 1431
Am Wegesrand taucht ueberraschend das erste Kamel auf, was uns an den Film: "Die Geschichte des weinenden Kamels" denken laesst.
Allerdings ist es nur zu bemitleiden, denn die Vorderhufe sind mit den Nuestern durch einen Strick verbunden.
In der Mongolei lebt der weltweit groesste Bestand an zweihoeckrigen Kamelen, die auch als Trampeltiere bezeichnet werden. Mit haendlerischem Geschick kann man ein lebendes und domiziertes Exemplar bereits fuer 200 bis 300 US $ erstehen. Wildkamele kommen heute weltweit nur noch in kleinen Herden in der Gobi vor und stehen unter strengem Schutz.
Unsere liebgewonnenen Drahtesel moechten wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings (noch) nicht in ein wankendes Wuestenschiff eintauschen.
Bis vor wenigen Jahren waren Kamelkarawanen in der Mongolei die einzige Methode, Gueter ueber laengere Strecken und durch wasserlose Gebiete zu transportieren. Sie legen mit max. 280 kg Gepaeck ca. 40 km am Tag zurueck und koennen bis zu 10 Tage ohne Wasseraufnahme auskommen, indem sie ihre Verdunstung stark einschraenken, dadurch dass sie z.B. nur achtmal in der Minute atmen. Nach einer langen Durststrecke saufen sie dann 100 Liter auf einmal. Sie sind auch in ihrer Nahrungsaufnahem - aehnlich wie die Mongolen - sehr genuegsam.
In Shiveergovi, einem kleinen Bahnhofnest, werden wir von ein paar Goeren aufgelauert. Wie schliessen jedoch sofort Freundschaft und wenig spaeter fuehren sie uns zum Dorfbrunnen, an dem wir unsere Wasservorraete wieder auffuellen. Zum Dank verteilen wir ein paar Ricola Bonbons, die aber kollektiv ausgespuckt werden.
Angesichts des Sturmes im Ruecken und moderaten Temperaturen sind wir im Nu wieder auf der Piste und jagen mit halsbrecherischem Tempo dahin. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir hinter uns riesige schwarze Wolken aufziehen sehen, die uns einzuholen drohen. Kaum haben wir einen Gedanken daran verschwendet das Zelt aufzubauen, peitschen uns murmelgrosse Hagelkoerner um die Ohren. Wir harren im Windschutz unserer Raeder aus und aergern uns, diesen tollen Rueckenorkan nicht nutzen zu koennen. Der Hagel vergeht, aber der Sturm bleibt. Die halbe Wueste steht unter Wasser, ein Weiterkommen ist erstmal nicht moeglich. Nur mit roher Gewalt gelingt es uns, das Zelt aufzubauen, nicht jedoch ohne dabei zwei unserer Zeltstangen zu verbiegen.
Ueber Nacht legt sich der Sturm, doch die naechste Ueberraschung laesst nicht lange auf sich warten: zwei forunkelaehnliche Blasen am Allerwertesten bringen Kons um seinen Schlaf. Wir koennen uns zunaechst keinen Reim drauf machen, doch als ihm spaeter ein rot bunter Kaefer auf der Brust entgegenwatschelt, erahnen wir des Raetsels Loesung.
Neuer Tag, neues Glueck, die Fahrt geht also weiter und auch der Wind meint es nachwievor gut mit uns. Bei Kilometer 1352 passiert das, womit wir schon lange gerechnet hatten: im Abstand von wenigen hundert Metern holen wir uns beide einen Plattfuss, der jedoch im Nu wieder behoben ist.
Nahe der Transmongolischen Eisenbahn, die uns immer als Orientierungshilfe diente, krabbeln aus einer kleinen Baujurte ein dutzend Gleisarbeiter, die uns beim Betaeuben mit Vodka sehr behilflich sind.
Die Weiterfahrt gleicht wohl eher einem Kamelritt, dennoch erreichen wir erschoepft und gluecklich Saynshand noch vor Einbruch der Dunkelheit.