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Deutsch-Russische Begegnungen

  • Zu Gast bei einer Russland-Deutschen Familie
  • Querfeldein durchs Chamar-Daban Gebirge
  • Dem Baeren auf der Spur
  • Das Tamintschinski Kloster

Kilometer: 455

Nach politischem Diskurs am Abend springen wir mit Sascha in seinen kleinen „Kieslader“ made in Japan und cruisen um kurz vor Mitternacht bei Sonnenuntergang am Ufer des Baikalsees entlang. Sascha steuert schonmal freihaendig, um sich in seinem gebrochenen Deutsch mit Handbewegungen verstaendlicher zu machen. Er traeumt von einem Leben in Deutschland; seit 5 Jahre wartet er auf eine Aufenthaltserlaubnis. Die selbstaufopfernde Gastfreundschaft dieser Familie beschaemt uns. Nach unserer Spazierfahrt sind die einzigen Betten der Familie fuer uns hergerichtet. Unser Gastgeber und Baerenjaeger macht uns tags drauf das Fruehstueck, waehrend wir unsere sieben Sachen auf den Drahtesel schnallen und unsere inzwischen routinierte Katzenwaesche hinter uns bringen.
Ein Tante Emma Laden ist Ziel unserer „Pluenderung“, bei der wir die Reste an Buchweizen und Wasserflaschen, Seife und Toilettepapier aufkaufen.

Wir lassen dieses beschauliche Staedtchen hinter uns und schrauben uns einem Fluesschen auf einem schlammigen Forstweg folgend einige Hoehenmeter hinauf. Das Wetter ist aprilhaft, aber die Landschaft entschaedigt fuer die Strapazen.
Die skizzierte Karte ist ueberraschend gut und so folgen wir diesem kleinen Schnipsel Papier, in der Hoffnung, dass er uns zum Gaensesee fuehrt. Schwer zu glauben, dass wir uns auf einer historischen Handelsstrasse vom Baikalsee ins chinesische Reich befinden.
Unser Etappenziel ist das 20 Seelen-Dorf Taijoschni, welches auf keiner unserer Karten verzeichnet ist. Wir werden es nie finden. Stattdessen wird das Netz an Weggabelungen immer dichter, die Schlammloecher werden breiter als der Weg und wir zweifeln zusehends an der Richtigkeit der Beschreibung.
Gute Musik auf den Ohren lassen uns wieder Hoffnung schoepfen und wir folgen einfach dem fuer uns logischsten Weg. GPS und Kompass kommen zum ersten Mal wirklich zum Einsatz. Ein Platzregen bricht ueber uns los und es wird deutlich kuehler.
Reinhold Messner hat doch recht: Yeti lebt! Seine grossen und tiefen Fuesse zeichnen sich deutlich auf dem Weg ab. Er muss vor uns sein. Schnell wird uns klar, dass es sich um einen Baeren handeln muss. Wahrscheinlich fuerchtet er uns mehr als wir ihn - machen wir uns Mut, dennoch gleitet meine Hand in Richtung Lenkertasche zu dem Pfefferspray, fest entschlossen es gegen dieses bei uns ausgestorbene Tier einzusetzen.
Die Spuren verlieren sich nach einigen Kilometern und das Glueck ist uns ein treuer Begleiter: unser Weg muendet in einen Groesseren und stimmt mit unserer Beschreibung genau ueberein. Wir liegen uns in den Armen. Erst nach Sonnenuntergang fallen wir erschoepft ins Zelt, die Hoffnung auf dieses kleine Dorf zu stossen hatten wir bis zuletzt nicht aufgeben wollen.

Am naechsten Morgen spueren wir die Anstrengung deutlich in den Knochen. Erst gegen Mittag raffen wir uns auf und rollen zunaechst ein Stueck bergab in Richtung Osten. Irgendwann wird der Weg steiler und wir lassen es ordentlich krachen. Ein Wind zieht auf und vor uns liegt auf einmal der Gaensesee. In der Naehe des Ufers fragen wir einen burjatischen Bauern, der schon deutlich asiatische Gesichtszuege traegt, nach dem Weg. Wenig spaeter vernehmen wir wieder die Transsibirische Eisenbahn und der Rueckenwind traegt uns am Abend nach Gusinoje Osero. Es findet sich weder Unterkunft noch eine Gastwirtschaft.
Doch Asien wird immer praesenter: hier befindet sich eins der beiden buddhistischen Kloester in Russland. Wir klopfen an die Tore des Tamtschinski-Klosters. Ein angehender Lama freut sich ueber den ungewoehnlichen Besuch der Westerners und laedt uns zu sich in seine Wohnhuette ein.


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