- Baikal - See und Region
- Aller Anfang ist schwer
- Grosses Ausmisten nach ersten Hoehenmetern
- Warme Seen in Sibirien
Kilometer: 305
Der Baikalsee
Sibirien – geheimnisvolles, unbekanntes Land! Fuer viele von uns ist der Norden des asiatischen Kontinents der letzte weisse Fleck auf der Weltkarte.
Einerseits Synonym fuer Gefangenschaft und Leiden, ist der Name Sibirien zugleich Inbegriff von Freiheit: unberuehrte, wilde Natur, deren Dimensionen unsere Vorstellungskraft uebersteigt.
Sein Herzstueck, die Baikalregion, rueckte in der letzten Zeit immer mehr in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.
Der Baikalsesist sucht auf der ganzen Welt seinesgleichen: die Oberflaeche entspricht der Groesse Belgiens und sein Volumen deckt 20% der Suesswasservorraete der Welt!
Wird es in 20 Jahren Suesswasserpipelines aus dem Baikal nach Indien und China geben? Wir glauben ja!
So lockt es auch uns diese Groesse einmal zu erfahren.
Bisher ist das Baikalgebiet als Reiseziel schwach entwickelt. Wir haben nach Irkutsk – der Hauptstadt – nicht einen Touristen gesehen. Doch es gibt viel zu entdecken! Sibirische Staedte haben eine vielfaeltige Geschichte und man kann faszinierende Details entdecken.
Interessant ist auch, sich auf den Spuren der Voelkerschaften zu bewegen, die in der Region vor hunderten von Jahren siedelten und deren Nachfahren bis heute zur ethnischen und religioesen Vielfalt der Region beitragen.
Uns Fahrrad-begeisterte und Naturliebhaber reizen natuerlich die riesigen, unberuehrten Waelder, Gebirge, klare Bergfluesse und eine reiche Tier- und Pflanzenwelt.
Sowohl das oekologische als auch das wirtschaftliche Gleichgewicht der Baikalregion sind sensibel und reagieren empfindlich auf Belastung. Die russische Umweltbewegung nahm hier ihren Lauf, nachdem ein grosses Zellulosewerk offensichtlich ein grosses Fischsterben ausloeste und zu einer Erhoehung der Schadstoffemissionen beitrug. Das Interesse auslaendischer Wissenschaftler und Oekologen am Baikalsystem als Oekosystem und Bedeutung fuer die Erde ist enorm.
Die Region braucht Entwicklungsperspektiven und ein schonender Tourismus ist einer der vielversprechendsten.
Wichtig ist, dass Gewinne in der Region bleiben – einer der Gruende warum wir ueberwiegend Privatunterkuenfte aufsuchen, fliessend Wasser gibt es ohnehin nicht. Als Gast in einem sibirischen Dorf findet man am besten die Urspruenglichkeit des Landes.
Aller Anfang ist schwer: 1. Fahrtag
Auch unsere vier verschlafenen Zimmergenossen bekommen es mit. Heute starten wir schon im Morgengrauen mit unseren Drahteseln in Richting Osten, dem Baikalsee entgegen. Als endlich alles gepackt ist, und die jeweils 70kg Gefaehrte auf der Strasse liegen, ueberreden wir zwei offensichtlich ueber uns erstaunte Polizisten ein Foto zu machen. Nein, Geld wollen sie von diesen zwei komischen Typen in eng anliegenen Hosen nicht.
Bei der Ausfahrt aus Irkutsk koennen wir uns ueber mangelndes Interesse unserer Fans am Strassenrand nicht beklagen. Auch weiterhin sollen wir auf russischen Strassen lautstark von Hupkonzerten begleitet werden. Das gibt Ansporn den wir dringend brauchen.
Am ersten Tag, der nicht ganz so verregnet sein soll wie die weiteren, kommen wir uns mit den Raedern so vor, wie zwei dickgefressene Raupen, die versuchen sich ueber die ersten sibirischen Passhoehen zu winden. Schon bald steht fest, mit einem Schnitt von gerade einmal 13 km/h muessen die Raupen ordentlich abgespeckt werden. Gegen Abend finden wir dann, etwas abgelegen von der Strasse, auf einem alten Forstweg, ein Plaetzchen zum Zelten.
Am naechsten Morgen glauben wir noch in Deutschland zu sein. Umgeben von dichtem Wald hilft uns heftiger Regen beim Wachwerden. Etwas genervt vom Wetter freuen wir uns jetzt jedoch nun noch mehr auf den Baikalsee, den wir am ersten Tag noch nicht erreichen konnten. Nach einigem Struempfewechseln und immerhin 2500 Hoehenmetern gibt der Baikal dann endlich den lang ersehnten ersten Blick hinter einer Serpentine frei. Der See, der immerhin 20% der weltweiten Suesswasserreserven ausmacht und sich ueber eine Distanz von 636km laengster Ausdehnung erstreckt wirkt vom Berg aus betrachtet eher ruhig und beschaulich. Tatsaechlich aber, kann der See mit einer maximalen Tiele von 1637 sehr rau werden, besonders dann, wenn strenge Winde ueber ihn hinwegziehen.
Bei der Abfahrt zum See, bei der wir auch schon die Staedchen Sljudjanka und Kultuk am See gesaeumt erspaehen koennen, werden wir am Strassenrand von russischen Marktfrauen auf geraeucherten Fettfisch eingeladen. Der Fettfisch ist der im Baikalsee am haeufigsten vorkommene Fisch und durchaus faehig eine Ausschuettung von Glueckshormonen zu verursachen.
In Slujdjanka, finden wir in einem Mineralien-Museum Unterkunft, dass sich auch auf die Beherbergung von Gaesten eingestellt hat. Ja ganz richtig, es ist zwar schon halb fuenf, aber Mittagessen wollen wir trotzdem noch, Abendessen dann um sieben. Zwischen den beiden Mahlzeiten erfrischen wir uns beim Waschen im Waschraum, natuerlich ohne Dusche dafuer aber mit reichlich kalten Bergwasser.
Trotz guter Beherbergung ist es bereits halb zehn als wir von Sljudjanka in Richtung Wydrino und den nahegelegenen -Warmen Seen- aufbrechen. Den Baikal See zu unsrer Linken und direkt neben den Schienen der Trans-Sibirischen Eisenbahn, stampfen wir nun wie zwei russische Traktoren den Warmen Seen entgegen. Die -Warmen Seen- erhielten ihren Namen durch die Tatsache, dass sie um einige Grad waermer sind als der Baikalsee. Auch wenn es sich trotzdem kaeltebedingt nicht empfiehlt in den Seen zu baden, hat sich in der unglaublich schoene Landschaft ein kleines Feriendoerfchen entwickelt. Die Huetten sind sehr einfach aber genau richtig fuer eine eintaegige Ruhe- und Entspannungspause, die wir beide dringend brauchen bevor wir uns weiter auf den Weg nach Babuschkin begeben.
Hier sollen wir nach einer langen Tagesetappe auf der Suche nach dem Weg zum Gaensesee auf Baerenjaeger und unseren baldigen Gastgeber Sascha Maurer stossen. Nachdem der Weg zum Gaensesee anfangs als unpassierbar beschrieben wird, halten wir bald eine von Hand gezeichnete Karte ueber die 180km lange Strecke im Chamar-Daban Gebirge in den Haenden. Neben jener Karte wollen wir uns jedoch auch auf unseren Kompass, das GPS, sowie unsere Trekkingerfahrung stuetzen.
Am Abend erzaehlt Sascha noch einen burjatischen Witz: Laeuft ein Tourist in den Wald und trift einen Baeren. So fragt der Tourist den Baeren, was machst Du den hier? Darauf antwortet der Baer, ich bin Tourist und Du mein Fruehstueck!
Aber nein, vor Baeren sollten wir keine Angst haben, im Sommer fressen sie eigentlich keine Menschen. Pfefferspray habt ihr aber dabei, oder?